Ökointelligente Haussanierung - Wärmeverteilung optimieren

Ökointelligente Haussanierung - Wärmeverteilung optimieren

Andreas Tanner hat am 07.04.2025 für uns diesen wiederum gut besuchten Vortrag gehalten. Die Vortragsfolien finden Sie HIER.

Den Gebäudebestand klimaneutral zu machen, ist eine Herausforderung! Nur noch 20 Jahre Zeit haben wir, das im Verfassungsgesetz verankerte Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Neben der Gebäude-Versorgung mit erneuerbarer Wärme (Vortrag Roggenkamp) muss der Wärmeverbrauch von Bestandsgebäuden reduziert werden.

Gebäudesanierung

Die klassische Gebäudedämmung von Fassade, Dach, Kellerdecke und neuen Fenstern ist meist sehr teuer und amortisiert sich oft erst nach vielen Jahren. Der Referent bietet mit seiner Firma ein System an, mit dem man Gebäude und Wohnungen einfacher sanieren kann; wesentlich ist dabei, dass die Vorlauftemperatur im Heizungssystem gesenkt wird. Der Wärmeverbrauch wird dadurch gesenkt und kann leichter mit erneuerbarer Wärme gedeckt werden, z.B. durch Wärmepumpen mit Flächenheizkörpern.

Weichfaserplatte mit eingebauten Heizschlangen

Diese Flächenheizungen können zusätzlich zur vorhandenen Wärmeverteilung als Fußboden-, Wand- oder Deckenheizungen ausgeführt werden.

Vorteile: Diese Sanierungsmaßnahmen können gezielt in einzelnen Räumen ausgeführt werden, ohne z.B. das gesamte Gebäude in Angriff zu nehmen.

Andreas Tanner betonte mehrmals, dass die klassische Sanierung durchaus ihre Berechtigung habe. Überhaupt sei jede Sanierung ein Einzelfall, der individuell beurteilt werden müsse.

Wärmestrahlung

Flächenheizkörper am Boden, an der Wand und vor allem an der Decke haben gegenüber klassischen Konvektoren-Heizkörpern den Vorteil, dass die Erwärmung über Strahlungswärme erfolgt. Strahlungswärme macht auch bei geringeren Lufttemperaturen ein angenehmes Wärmegefühl. Dies wird mit vielen Tabellen und Grafiken erläutert.

2025-04-07_Konvektion-vs-Strahlung.png
Übliche Konvektionsheizung (links) versus Strahlungsheizung (rechts)

Vor- und Nachteile verschiedener Systeme

Der Referent stellt die Eigenschaften verschiedener Maßnahmen gegenüber:

  • Innendämmung vs. Außendämmung
    Die Dämmung außen hat weniger Wärmebrücken, ist dafür aber teurer und betrifft das ganze Haus. Innendämmung ist partiell umsetzbar, muss aber wg. Tauwasser-Gefahr gut gelöst sein.

  • Fußboden-, Wand- oder Deckenheizung
    Diese Alternativen hängen von Raumstruktur und Umbaumöglichkeiten ab. Wärmetechnisch hat die Deckenheizung Vorteile.

  • Luft- vs. Erdwärmepumpe
    Luftwärmepumpen sind einfacher zu installieren und kostengünstiger. Erdwärmepumpen dagegen sind wärmeeffizienter und vor allem kann man mit Erdwärme auch kühlen.

Kühlung und Lehmputz

Wenn man mit einer Flächenheizung auch kühlen will muss man das Tauwasser beachten. Dieses entsteht an der kühlen Fläche und kann zu Bauschäden führen.

Weichfaserplatten an Wand oder Decke nehmen die Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab. Besonders vorteilhaft sei aber, wenn man die Flächen mit Lehm verputzt. Dieses Naturmaterial nimmt ebenfalls Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab; außerdem absorbiert Lehmputz Schad- und Geruchsstoffe.

Diskussion

Andreas Tanner schätzte die Kosten einer klassischen Haussanierung überschlägig mit 135 €/m2 Wohnfläche; mit Flächenheiz-Systemen könne man mit 35 €/m2 hinkommen. Die Flächenheizungen könnte man auch direkt an die Heizung anschließen, wobei eine Begrenzung der Vorlauftemperatur sinnvoll sein kann.

Die Deckenheizung sei besonders sinnvoll, weil die Decke meist frei ist und die Strahlungswärme mit wenig Abstand auf die Oberflächen trifft.

Die Haltbarkeit von Lehmputz ist unbegrenzt. Er trocknet nur, während Kalkputz beim Trocknen umgewandelt wird.

Vor allem das angenehme Raumklima sei zu berücksichtigen.

gez. U. Schaaf