Füssener Altstadt mit Lechwasser heizen?

Füssener Altstadt mit Lechwasser heizen?

Aufgabenstellung

Wie können wir den Gebäudebestand in Füssen klimaneutral beheizen? Heute wird überwiegend Öl oder Gas zum Heizen genutzt. Klimafreundliche Wärme muss diese fossilen Brennstoffe ersetzen.

Besonders herausfordernd ist dies in der denkmalgeschützten Füssener Altstadt, wo es wenig Platz für Einzelheizungen mit Biomasse (Pellets /Hackschnitzel) oder mit Luftwärmepumpen im Garten gibt. Die Fachleute sind sich einig, dass die Altstadt-Häuser nur mit einem Wärmenetz aus einer Heizzentrale sauber versorgt werden können. Dort kann dann Biomasse oder eine andere Wärmequelle, z.B. Großwärmepumpen genutzt werden.

Wärmepumpen

Mit Wärmepumpen kann aus der Umgebung Wärme gewonnen werden, z.B. aus dem Lech (Flussthermie). Dabei wird erneuerbarer Strom eingesetzt, um daraus ein Vielfaches an Heizenergie zu gewinnen. Dem Lech wird dadurch etwas Wärme entzogen. Dies ist grundsätzlich erwünscht, weil sich auch der Lech zunehmend erwärmt.

Am 26.05.25 gab es im Haus Hopfensee zu diesem Thema Vorträge von zwei Referenten:

Wärme aus Gewässern: Füssener Altstadt mit Lechwasser heizen?
Mathias Safarik, Inst. f. Luft- und Kältetechnik an der Uni Dresden
Rainer Schmalenberg, Fa. Viessmann, Climate Solutions

Es waren etwa 60 Teilnehmer gekommen, die sich die anspruchsvollen Ausführungen angehört haben. Die Herausforderung bei der Lechwasser-Nutzung mit Wärmepumpen sind die niedrigen Wassertemperaturen des Lechs im Winter, die 3 Monate lang unter 6 °C liegen.

Heizen mit Eis

Mathias Safarik berichtete über eine Neuentwicklung des ILK, das Vakuum-Flüssigeis-Verfahren, das auch bei sehr niedrigen Temperaturen eine hohe Wärmeausbeute verspricht. (Download der Folien, LINK)

Bild_Lechtemperaturen.jpg
Lechtemperaturen im Winter für viele Wärmepumpen zu niedrig; Verfahren der ILK Dresden kann auch bei diesen Temperaturen Wärme liefern

Rainer Schmalenberg referierte über die Viessmann-Eisspeicher, mit denen man im Winter heizen und im Sommer kühlen kann. (Download der Folien, LINK)

Kristallisations- oder Latenzwärme: Wie man mit Eis heizen kann

In beiden Verfahren wird ein erstaunliches physikalisches Phänomen genutzt, die sog. Kristallisations- oder Latenzwärme: Beim Übergang von 0 °C kaltem Wasser in 0 °C kaltes Eis, entsteht soviel Wärme, wie für die Aufheizung der gleichen Wassermenge von 0 °C auf 80 °C nötig wäre!

Diskussion

Die Besucher fragten nach den ökologischen Folgen einer Wärmeentnahme aus dem Fluss. Dazu gibt es nach Herrn Safarik noch keine Festlegungen; Bund-Länder-Gremien diskutieren über 20% maximale Entnahme. Den Lech würde man aber nur zu 5% nutzen. Schmutz, den der Fluss mitbringt müsse weggefiltert werden.

Im Vortrag von Herrn Schmalenberg wurde die Temperatur eines Wärmenetzes erörtert: Warme, mittelwarme oder kalte Netze. Für die Füssener Altstadt wird ein warmes Netz mit 70 - 80 °C im Vorlauf empfohlen.

In einer Diskussion unter Fachleuten nach den Vorträgen wurden mögliche Lösungen für die Füssener Altstadt skizziert: Wärmepumpen könnten im Sommer die Wärmeversorgung (Warmwasser) übernehmen und Biomasse einsparen. Die Wärmeversorgung im Winter würden Biomasse-Heizkessel in einer Heizzentrale übernehmen.

Video-Aufzeichnung

Die Vorträge wurden aufgezeichnet und können hier abgerufen werden: LINK

Die Wiedergabe ist nicht perfekt, insb. bei den Diskussionen im Publikum. Sie können die Abschnitte der 2-stündigen Aufzeichnungen nach Minuten finden:

  • Begrüßung und Einführung Andreas Eggensberger
    ab Min 6:15

  • Vortrag Dr. Safarik
    ab Min 7:40

  • Fragen an Dr. Safarik
    ab Min 44:10

  • Vortrag Hr. Schmalenberg
    ab Min 51:30

  • Fragen an Hr. Schmalenberg und Gesamtdiskussion
    ab Min 1:23:10
    bis Min 1:54:40

 

gez. U. Schaaf
Juni 2025