Die Zukunft - dezentral und digital

Mehrere Autoren haben sich zur Zukunft allgemein und zur Energiezukunft im Speziellen geäußert. Ich versuche hier, Gemeinsamkeiten und Schwerpunkte der Beiträge zu skizzieren.
Beim Energiekongress Augsburg im März 2015 im goldenen Saal der Stadt Augsburg (LINK) sprach Patrik Mijnals vom Zukunftsinstitut (LINK) über die gesellschaftlichen Veränderungen, die als sog. Megatrends ablaufen und deren Auswirkungen auf die Energiewende: Für die neue Gesellschaftsschicht der ‚Neo-Öko’s‘ - Leute, die Genuss- und Konsum-orientiert sind, aber dennoch der Ökologie einen hohen Wert zumessen, muss die Energiewende demokratisiert werden. Sein Kollege Daniel Dettling (LINK) sprach die Megatrends an:
  • Energieproduktion und -verbrauch werden dezentraler,
  • Mobilität wird elektrisch,
  • Strom wird als Energiequelle immer wichtiger,
  • ‚Neo-Lokalismus‘ als Gegengewicht zur Globalisierung
Beim Kongress sprach auch der deutsche ‚Klima-Papst‘ Hans Joachim Schellnhuber, vom Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (LINK), der die Folgen der Erderwärmung nochmals eindringlich schilderte.
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Beim Energiedialog Schwaben im November 2015 in den Räumlichkeiten der IHK Augsburg (LINK) sprach Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist (http://www.yogeshwar.de/), die Keynote zum Thema „Die Zukunft - dezentral und digital“. Seine Beschreibung des Umbruchs und dessen gesellschaftlicher Wahrnehmung ging in dieselbe Richtung: Die digitale Revolution verändert die Gesellschaften und Menschen fundamental und wird auch die Energiewende wesentlich beeinflussen: „Es geht um weit mehr als nur dezentral: Jeder von uns wird gleichzeitig Energieproduzent und -konsument sein." Er brachte gegenüber den o.g. Autoren noch weitere Aspekte ein:
  • "Die Innovation wird von einer kleinen, reichen und weißen Minderheit für eine kleine, reiche und weiße Minderheit gemacht."
  • Die aktuellen Flüchtlingsprobleme haben praktisch alle einen ‚Energiehintergrund‘.
  • Die Innovation wird von amerikanischen Menschen und Firmen vorangetrieben; Deutschland ist nicht innovativ genug.
Es gibt ein Video, das einige seiner Kernaussagen enthält (LINK).
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Was die Zukunfts- und Innovationsforscher alle ähnlich beschreiben ist aus meiner Sicht am besten bei Jeremy Rifkin nachzulesen, in seinem Buch: „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft. Das Internet der Dinge, Kollaboratives Gemeingut und der Rückzug des Kapitalismus.“ (Campus-Verlag 2014, LINK). Auch Rifkin sieht in der digitalen Revolution den Grund für einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel. Das Internet der Dinge, das alle gesellschaftlichen Bereiche nachhaltig verändern wird, besteht bei ihm "aus einem Kommunikationsinternet, einem Energieinternet und einem Logistikinternet zusammen, die gemeinsam als Betriebssystem funktionieren. Ziel ist die unablässige Suche nach Möglichkeiten zur Erhöhung der thermodynamischen Effizienz und der Produktivität bei der Organisation von Ressourcen, der Produktion und Verteilung von Gütern und Dienstleistungen sowie dem Recycling von Abfallstoffen."
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Inwieweit diese Szenarien - ich nenne die Aussagen bewusst nicht Prognosen - eintreffen, weiß niemand, auch nicht die Zukunftsforscher! Wir bekommen durch diese Ausführungen zur Zukunft keine Sicherheit, werden aber aufmerksamer für Veränderungen und kritischer gegenüber den Weiter-so-Szenarien, die wir täglich serviert bekommen.
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Ich mag diesen Kalauer: „Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen."
gez. Uli Schaaf