Energieverbund-Mail 2016-11

eENERGIE

Informationen für Teilnehmer und Interessenten des Energieverbund Tourismus
Nov 2016

Liebe Energieverbund-Interessenten,

mit diesen Informationen möchte ich meinen Newsletter ergänzen externer Link, der für eine breitere Öffentlichkeit bestimmt ist. Diese Energieverbund-Mail wird in freier Folge erscheinen und Themen aufgreifen, die für Tourismusbetriebe  im Allgäuer Land relevant sind. Speziell sind vor allem die KollegInnen angesprochen, die beim aktuellen eMonitoring-Projekt mitarbeiten.

Aktuelle Infos

  • Beispielprojekt eMonitoring
    Mit sieben Hotels aus der Region haben wir eine Plattform aufgebaut, bei der die Stromdaten der Betriebe, Verbrauch und Einspeisung auf der Basis von 1/4-Std-Daten vergleichend dargestellt werden.
    eMonitoring soll vor allem in den einzelnen Betrieben zur Verbesserung des Energiesystems beitragen und Kosten sparen. Die Energiesysteme sollen aber auch betriebsübergreifend verbessert werden: Die Vergleichsmessungen zeigen, dass es ein gewisses Potenzial für gegenseitigen Stromverkauf gibt: Ein Hotel verkauft überschüssigen Strom an ein anderes. Es gibt auch Überlegungen, ob man die BHKW-Anlagen einmal so steuern kann, dass sie besser bezahlte Regelenergie liefern können.

  • Am 19.10.2016 wurde unser Thema bei der Vollversammlung des Tourismusvereins Füssen vorgestellt. Die Ergebnisse dieses Gesprächs sind auf der Wiki-Plattform externer Link dargestellt: Wir von eEnergie schlagen vor ein zweistufiges eMonotoring-System einzuführen:


    MSR: System zum Messen, Steuern, Regeln

  • In den kommenden Tagen werde ich bei den interessierten KollegInnen vorbeischauen, um die Möglichkeiten dieser Ansätze zu erörtern.

Thema Stromhandel

Jede Energieverbund-Mail soll ein bestimmtes Thema von allgemeinem Interesse behandeln. (Vorschläge werden gern entgegengenommen!)

Für diese Mail haben wir den Handel mit Strom als Leitthema gewählt. Motiv dabei: Wenn wir im Energieverbund überschüssigen EE-Strom zwischen Hotels handeln wollen, müssen wir das Basiswissen zum Stromhandel haben:

  • Der Stromhandel ist im EnWG (Energiewirtschaftsgesetz) geregelt und sieht die Trennung von Netzbetrieb und Stromerzeugung vor.
    Siehe dazu Wikipedia externer Link. Nachdem das EnWG in diesem Jahr durch das Strommarktgesetz (Artikelgesetz) geändert wurde sind noch nicht alle Änderungen bekannt. Derzeit gibt es nur eine konsolidierte Fassung des neuen EnWG externer Link.
  • In einem Meinungsbeitrag Wahnwitz Stromhandel externer Link habe ich grundsätzliche Kritik am großräumigen Stromhandel artikuliert.
    Aus meiner Sicht ist dieser von der Physik weitgehend abgekoppelte Börsenhandel ein Wahnsinn wie es der Handel mit toxischen Derivaten ist. Diese Meinung zum Strommarktdesign wird auch von anderer Seite geteilt externer Link. Lutz Ribbe von einer EU-Organisation schreibt dort: ". . . es macht keinen Sinn, in Europa die zentralistischen Systeme zusammenzuschalten. Wir müssen eine ganz andere Philosophie von Energiesystemgestaltung entwickeln. Diese sollte aus vielen kleinen, mehr oder weniger teilautarken Versorgungsinseln bestehen, die miteinander verbunden sind. . . ."
  • Warum dann den Stromhandel zwischen Tourismusbetrieben befürworten?
    Weil der auf lokaler Ebene stattfindet! Wenn Hotel A überschüssigen EE-Strom an Betrieb B im gleichen Verteilnetz auf Stundenbasis verkauft, dann ist die Chance gegeben, dass der Strom auch physikalisch dort ankommt. Noch besser sind natürlich Nachbarschaftsprojekte, wo der EE-Strom über eine eigene Leitung geschickt wird.
  • Wie die Abwicklung dieses lokalen Handels ablaufen soll, muss jetzt schrittweise geklärt werden.
    Maßgeblich sind die Regelungen zur Direktvermarktung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Ein aufschlussreicher Artikel zur regionalen Direktvermarktung externer Link befindet sich im Wissensbereich von Next-Kraftwerke, ein Stromhändler, der die Direktvermarktung übernimmt. Das EWR hat ebenfalls zugesagt, den Energieverbund mit KnowHow zu unterstützen.
     
  • Der eigentlich abzulehnende großräumige Stromhandel wird von Preisvergleichsportalen gefördert.
    Dazu gibt es auf der Wiki-Plattform eine Übersicht externer Link.
  • Im Tourismus- und Gastronomiebereich sind auch Organisationen als Stromhändler tätig.
    Die DEHOGA bietet einen Stromtarif-Check an, wo man die kostengünstigsten Anbieter wählen kann externer Link .

Der Ausgleich des fluktuierenden EE-Stromangebots mit dem wechselnden Strombedarf wird die Hauptaufgabe im Stromnetz der Zukunft sein. Der Energieverbund Tourismus will dazu einen Beitrag liefern.

gez. U. Schaaf

 

Der Energieverbund Tourismus ist ein Zusammenschluss von Tourismusbetrieben zur Förderung einer nachhaltigen und regionalen Energiewende. Er steht auch anderen Betrieben offen, die erneuerbare Energien regional erzeugen, nutzen oder speichern. Der Energieverbund wird dazu beitragen, (a) die Energiesysteme der Einzelbetriebe laufend zu verbessern und damit Kosten zu sparen, (b) die Vorteile zu erschließen, die durch eine Kooperation benachbarter oder über lokale Netze verbundener Betriebe entstehen, (c) den Tourismus und die einheimische Wirtschaft zu fördern durch mehr regionale Wertschöpfung und die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus-Image.