Gundremmingen - Block B wurde abgeschaltet

So steht die Nachricht in der SZ (LINK):

31. Dezember 2017, 15:07 Uhr
Atomkraftwerk Gundremmingen
Block B geht endgültig vom Netz

Zum Ende des Jahres geht Block B vom Netz. Nach 33 Jahren ist im Kernkraftwerk Gundremmingen im schwäbischen Landkreis Günzburg einer der beiden aktiven Reaktoren endgültig abgeschaltet worden.

Jetzt läuft nur noch Block C, der wie Block B eine Leistung von 1.344 Megawatt hat. Damit man ein Gefühl für diesen Wert bekommt:

  • Das Wasserkraftwerk Weisshaus an der Füssener Grenze zu Österreich hat 12 Megawatt Leistung.
    Die beiden Blöcke in Gundremmingen hatten zusammen mehr als die 200-fache Leistung.
  • Mit dem verbliebenen Block C könnte man also mehr als 670.000 Wasserkocher à 2 Kilowatt gleichzeitig betreiben, eine Riesen-Anlage!

Die schiere Größe der Kraftwerke bewirkt, dass wir im Allgäu an Tagen ohne Sonne und Wind unseren Strom physikalisch aus Gundremmingen bekommen, auch wenn unsere Stromlieferanten 100% Ökostrom anbieten. Diese Schizophrenie verdanken wir dem von der Physik losgelösten Stromhandel: Wir zahlen Ökostrom und kriegen Atomstrom.

Gehen jetzt die Lichter aus?

Zum Glück NEIN. Seit die Thüringer Strombrücke in Betrieb gegangen ist (siehe Blog-Nachricht) kann der Windstrom aus Norddeutschland gut in den Süden transportiert werden. Warum die Übertragungsnetzbetreiber und die Netzagentur immer größere Stromtrassen verlangen, hat zwei technische Gründe:

  • Die Leitungen werden vom Braunkohlestrom verstopft:
    Die sehr großen Braunkohlekraftwerke haben eine Dauergenehmigung für die Einspeisung, z.B. verfügen die 2 Blöcke im Braunkohle-Kraftwerk Schkopau bei Lauchstätt über eine Kapazität von insgesamt ca. 800 Megawatt.
  • Es gibt einfach zu wenig Kapazität, um überschüssigen Windstrom zu speichern,
    etwa als Windgas, das im Gasnetz gepuffert werden kann.

Und daneben gibt es natürlich massive geschäftliche Interessen, möglichst viel Geld in Leitungen zu stecken, werden doch alle Investitionen in die Übertragungsnetze mit ca. 9% verzinst, was der Stromkunden über die Netzentgelte zu tragen hat.

Nein, die Lichter gehen nicht aus!

Vor allem müssen im Süden Gaskraftwerke zugeschaltet werden, die den Atomstrom-Ausfall kompensieren. Das können große Gaskraftwerke sein, wie z.B. in Irsching  (LINK) oder aber viele kleine Blockheizkraftwerke (BHKW) in den Verteilnetzen.

Aus der Sicht einer regionalen Energieversorgung ist es jetzt wichtig, dass es viele neue Prosumenten gibt, die als Schwarm von Stromversorgern einspringen, sonst wird der Süden mit immer mehr Braunkohlestrom 'beglückt'.

gez. U. Schaaf