Newsletter 4: Energiewende wohin?

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eENERGY

Internet-Dienste für eine nachhaltige Energiewirtschaft
Juli 2018

Liebe Energie & Umwelt-Interessenten,


sind Sie auch der Meinung, dass die Energiewende allzu zäh verläuft?! Sollen wir nicht einfach Beckenbauer-mäßig dran gehen: 'Schau mer mal, dann seng mas scho!‘ Ja das ist möglich; das Allgäu würde davon nicht untergehen. Allerdings würden wir dabei Chancen verpassen und wir würden Klimawandel&Co einfach laufen lassen. 
Jenseits moralischer Fragen: Wenn wir aktiv mitmachen und die Energiewende hier lokal fördern, hält das unser Geld im Allgäu, z.B. durch Aufträge an hiesige Betriebe, die neue Techniken erlernen. Energiewende ist mühsam und kostet Geld. Es lohnt sich aber! 
Aus dieser lokalen Sicht will ich berichten, wie es weiter gehen kann. Da gibt es die große Politik, die - vielleicht gezwungenermaßen - wirklich schwierige Rahmenbedingungen setzt. Und dann berichte ich von unseren lokalen Initiativen, mit denen wir hier das Mega-Projekt Energiewende voranbringen können, in der Energieregion Allgäu.

Nachrichten . . .
. . . aus der großen Politik:
  • Vollbremsung bei der Förderung wirkt:
    Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG 2016) hat die Zuwachsraten für Erneuerbare massiv abgeblockt; das Förderungssystem wäre sonst wohl aus dem Ruder gelaufen. In Seeg wurden in 2017 beispielsweise nur 33 kW PV-Leistung zugebaut, grade mal ein halbes Prozent der bisher installierten Kapazität.
  • Viel zu wenig Speicher:
    Für den Ausgleich von regenerativer Stromerzeugung und -verbrauch ìst viel mehr Speicherkapazität erforderlich. Alle Experten sind sich einig: Änderungen sind dringend erforderlich, vor allem bei den gesetzlichen Rahmenbedingung: Stromspeicher werden nämlich doppelt mit Abgaben belastet; absolut unsinnig! Das Speicherthema wird uns sehr beschäftigen: Recht anschaulich ist das in folgendem Video dargestellt: 5 technische Möglichkeiten zur Stromspeicherung. Speicherprojekte gibt es ein paar im Allgäu, z.B. hat AÜW zusammen mit egrid einen Ortsnetz-Trafo mit Speicher entwickelt. Link

  • Fehlinvestition Übertragungsnetze:
Die vier Betreiber der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsnetze haben den Ausbauplan für die HGÜ-Netze vorgelegt, den sog. Netzentwicklungsplan. Kosten derzeit geschätzt auf 50 Milliarden Euro. Warum muss uns das im Allgäu kümmern? Schließlich werden die Leitungen nicht bei uns gebaut. Weil ein Durchschnittshaushalt (3.500 kWh/a) heute schon ca. 245 €/Jahr als Netzabgabe bezahlt (7 ct/kWh), und die neuen Trassen würden zusätzliche 30 -50 €/Jahr (4 Mia Zinsen, verteilt auf 525 TWh) kosten. Dieses Geld steht dann nicht für die lokale Energiewende zur Verfügung. „Warum muss der Netzausbau so überdimensioniert sein“ Dazu konnte ich eine interessante Diskussion beim Bürgerdialog Stromnetz auslösen. Link
  • Erfolg für Bürgerenergie:
    Ich bin Mitglied im Bündnis Bürgerenergie (BBEn). Wir setzen uns dort für bessere Bedingungen zur Nutzung von Eigenstrom und für lokalen Stromhandel ein. Mit fast 20 tausend Unterschriften konnte erreicht werden, dass in Europa künftig Eigen- und Nachbarstrom mit weniger Abgaben belastet wird. Bisher waren kleine PV-Anlagen bis 10 kWp abgabenfrei, künftig wird diese Bagatellgrenze auf 25 kWp angehoben; dies entspricht einem Jahresverbrauch von ca. 25.000 kWh, was mehr als 5 Haushalte versorgen könnte (Speicher vorausgesetzt). Dies wird als EU-Richtlinie hoffentlich bald auch in das EEG aufgenommen. Siehe dazu Link.

Nachrichten . . .
. . . von unseren lokalen Aktivitäten:
  • Energieregion Allgäu:
    Am 12. Februar fand ein Gespräch in Kempten zwischen Fa. egrid (Tochter der Allgäuer Überlandwerke, AÜW) und EWR (Elektrizitätswerke Reutte) statt. Besprochen wurden Möglichkeiten bei Projekten für die Energiewende zusammenzuarbeiten. Folgende Ansatzpunkte wurden identifiziert:
    > Eigennutzung PV-Strom 
    > Mieterstromprojekte
    Durch die hohen Förderbeträge bei PV-Anlagen ist es derzeit nicht interessant, Überschussstrom intelligenter zu nutzen, etwa bei Projekten der Kraft-Wärme-Koppelung. Trotzdem ist es wichtig sich auf die Zeit nach der Förderung vorzubereiten, um Erfahrungen zu sammeln. Es wurde aufgeschlossen über eine mögliche Kooperation der beiden Verteilnetz-Betreiber gesprochen.

  • Energiearbeitskreis im Bürgerforum Seeg:
    Das Bürgerforum Seeg mit seinem Vorsitzenden Ulrich Wagner hat 2 Arbeitskreise für die Ortsentwicklung eingerichtet:
    > AK Nahversorgung, für die Planung eines Verbrauchermarkts im Ort
    > AK Energie, für die Weiterentwicklung des Seeger Energiesystems
    Die Energie-Arbeitsgruppe darf ich organisieren. Wir beschäftigen uns mit den Ansatzpunkten Nahwärmenetze und künftiges Gasnetz und versuchen zusammen mit der Gemeinde eine Bürgerdiskussion über die Energiezukunft einzuleiten.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen kann man regionale Projekte vorantreiben und gleichzeitig für mehr politischen Mut zur Stärkung der Bürgerenergie werben.

Schreiben Sie mir Ihre Meinung dazu!

gez. U. Schaaf


eENERGY bietet Internet-Dienste für eine nachhaltige Energiewirtschaft auf regionaler Basis. Die Dienste helfen Unternehmen und Bürgern die Chancen zu nutzen, die sich aus dem gesellschaftlichen Wandel ergeben, insb. aus Energiewende, Rohstoffknappheit, wirtschaftliche Verflechtung und Internet. Sie helfen, die wachsenden Anforderungen von Markt und Gesetzgeber in Bezug auf Umwelt, Sicherheit und Transparenz erfolgreich zu bewältigen.