eENERGY-Newsletter 7: Klimaschutz

Direkte Links zu den bisherigen Newslettern finden Sie hier:
Newsletter 6: Pilotprojekt in Seeg
alle früheren Jahres-Newsletter


eENERGY

 

Liebe Energie- & Umwelt-Interessierte,

die Bundestagswahl steht vor der Tür. Klimaschutz ist ein Hauptthema für eine neue Regierung, unabhängig davon wer die Wahl gewinnt. Haben Sie auch das Gefühl, dass wir irgendwie vor einer Zeitenwende stehen? Die zwanziger Jahre werden wohl entscheidend sein, wie sich die Welt entwickelt.

Mit diesem 7. Jahres-Newsletter möchte ich den Klimaschutz aus regionaler Sicht und persönliche Beweggründe für mein Engagement erläutern. Meine Mitmenschen - ich auch - stellen sich natürlich die Frage: Ist der große Zeitaufwand für den regionalen Klimaschutz sinnvoll investiert? Ist unser lokaler Einfluss wirklich so wichtig, dass wir etwas Nennenswertes bewirken können?

Klimaschutz regional

Wenn große Umbrüche anstehen gibt es 2 Möglichkeiten, wie wir uns verhalten:

  • Wegducken und Abwarten,

    eine menschliche und häufige Reaktion auf allen Ebenen.

  • Unser Haus in Ordnung halten,

    überschaubare Maßnahmen im Umfeld vornehmen,  den Kopf nicht in den Sand stecken.

Wenn wir nur abwarten, werden wir empfindlich zur Kasse gebeten und andere Regionen werden die Vorteile haben: Kosteneinsparungen, mehr Aufträge für lokale Firmen, eine gesunde Landwirtschaft und eine schöne Natur. Die Vorteile der regionalen Energiewende sind im 5. Jahresnewsletter beschrieben.

Der Umbau von Wirtschaft  und Gesellschaft für eine klimaneutrale Welt ist ein Riesenprojekt. Und es steht unter großem Zeitdruck. Ist es überhaupt sinnvoll, wenn man die vielen großen Aufgaben betrachtet, dass wir uns als Bürger im südlichen Ostallgäu mit Klimaschutz beschäftigen? Oder überlassen wir dies unseren Politikern?

Es ist sicher, dass die 'große Politik' in den nächsten Jahren weitere wichtige Entscheidungen zum Klimaschutz beschließen wird,  wer auch immer die Wahl gewinnt! Sie werden uns hier in der Region betreffen! Wie können wir uns darauf vorbereiten?

  • Unsere Häuser in Ordnung halten,

    damit sie weniger Klimagas produzieren und wir Heizkosten sparen. (Check Dein Haus!).

  • Projekte vorbereiten,

    damit wir nur die Schublade aufmachen müssen und investieren können, wenn genügend mitmachen und die Rahmenbedingungen stimmen. (Rentable Projekte).

  • Unsere schöne Natur schützen,

    damit sie widerstandsfähig bleibt und viel Klimagas aus der Luft aufnehmen kann (Land- und Forstwirtschaft unterstützen).

Unsere Projekte

Engagement für eine regionale Energiewende macht Spaß, ist aber manchmal auch mühsam und zäh! Ich möchte hier berichten über Fortschritte, aber auch über Schwierigkeiten, aus denen man oft lernen kann.

Aufsuchende Energieberatung

Wir im Energiearbeitskreis des Bürgerforums sind sehr erleichtert, dass der Gemeinderat am 29.03.2021 beschlossen hat,  einen Auftrag zur Energieberatung vor Ort zu unterstützen.  Wir hatten seit 8 Jahren dafür gekämpft. Jetzt können sich bis zu 50 Hausbesitzer (Ein- und Zweifamilienhäuser) um eine kostenfreie Beratung durch Energieexperten der eza! bewerben.

Die Beratung hilft jetzt den Hausbesitzern, rentable Investitionen zu planen; dies bewirkt dann Kosteneinsparungen und weniger Treibhausgase.

Danke an alle, die sich dafür eingesetzt haben! Wer sich beraten lassen will, wende sich an die Gemeinde!

Mieterstrom

Im Newsletter 6 wurde über das Pilotprojekt im Privathaus von Ulrich Gut berichtet. Eine kleine innovative Firma (Pionierkraft) hat eine Lösung entwickelt, mit der auch Mieter in Privathäusern mit Eigenstrom von der PV-Anlage versorgt werden können. Das Pilotprojekt wurde mit Unterstützung des EWR (Elektrizitätswerke Reutte) erprobt. Das System läuft stabil. Die Kontrollmessungen des EWR waren positiv (keine wilden Einspeisungen).

Pionierkraft hat mit der Kleinserien-Produktion begonnen.

Bitte fragen Sie uns, wenn sie auch ein Mieterstrom-Projekt planen!

Nahwärmenetze

In Seeg wurden schon frühzeitig zwei Nahwärmenetze realisiert (Beispiel). Seeg hat eine gute Ausgangslage! Der Energiearbeitskreis hat sich intensiv damit befasst, ob man die bestehenden Netze erweitern und weitere Netze planen kann.  Wärmenetze werden beim künftigen Klimaschutz in Europa nämlich eine große Rolle spielen. (Siehe unsere Veröffentlichung: Wärmenetze in der Energiepolitik).

Die Vorplanung für ein neues Nahwärmenetz 'Bei-den-Linden' war schon fertig. Das Projekt wäre doppelt rentabel gewesen, finanziell und umweltmäßig. Als sich der Hauptbenutzer, ein Hotel nicht für das Projekt entscheiden konnte, mussten weitere Überlegungen vorerst abgesagt werden.

Das Konzept ist aber in der Schublade und kann wieder aufgegriffen werden.

Bitte melden Sie sich, wenn Sie eine Idee für eine integrierte Strom- und Wärmeerzeugung haben!

Pflanzenkohle

Gemeinsam mit dem Energie- und Umweltbeirat des Füssener Stadtrats beschäftigen wir uns mit einem neuen und gleichzeitig uralten Thema: Grün- oder Pflanzenkohle ist Holzkohle, die Klimagase reduziert und die Fruchtbarkeit der landwirtschaftlichen Böden steigert. Sie wurde vor hunderten von Jahren in Südamerika verwendet: Terra Preta.

Bild: Biomassehof Allgäu

Heute propagiert man Pflanzenkohle aus folgenden Gründen:

  • Speicherung von CO2:

    Wenn Kohle nicht vollständig verbrannt wird (Pyrolyse), bleibt der Kohlenstoff als Pflanzenkohle zum Düngen erhalten.

  • Speicherung von Nährstoffen und Feuchtigkeit:

    Durch die große innere Oberfläche kann Pflanzenkohle als langfristiger Nährstoff- und Wasserspeicher dienen.

  • Humusaufbau:

    Pflanzenkohle fördert den Humusaufbau. Damit steigert sie die Fruchtbarkeit unserer Böden und entzieht der Luft CO2. Siehe dazu das Video Gesunde Landwirtschaft durch Pflanzenkohle.

  • Tiergesundheit:

    Pflanzenkohle kann dem Futter von Rindern beigemischt werden; verbessert sich Gesundheit und Milchleistung der Rinder.

  • Güllebehandlung:

    Wenn Pflanzenkohle der Gülle in einem besonderen Verfahren beigemischt wird, verliert die Gülle ihren beißenden Geruch und ihre Düngewirkung wird erheblich besser.

Exkursion nach Oberstdorf

Am 25. September fahren wir mit Füssener und Seeger Interessenten zusammen im Bus nach Oberstdorf zum Bergbauernhof Besler. Johannes Besler setzt seit Jahren Pflanzenkohle ein  und kann über seine Erfahrungen berichten. (Siehe Programm). Bitte melden Sie sich verbindlich an bis zum 19. September.

Landwirtschaft & Tourismus

Zusammen mit Füssener Hoteliers, die sich für Klimaschutz engagieren, beteiligen wir uns an einer Initiative "Tourismus + Landwirtschaft = Klimaschutz". Die Idee: Es gibt viele Möglichkeiten, dass Bauern und Hoteliers an einem Strang ziehen, zum Vorteil der Betriebe und der Umwelt, z.B.  über

  • Lieferung regionaler Lebensmittel zu einem fairen Preis

  • Aufkauf von erneuerbarem Strom der Landwirte durch die Hotels

  • Erhalt der Naturschönheiten für Tourismus & Klima

  • Aufkauf von Klimazertifikaten der Landwirte durch Tourismusbetriebe

Das Biohotel Eggensberger wird zu diesem Thema eine Veranstaltungsreihe im Haus Hopfensee organisieren. Wir werden das mit Veranstaltungen in Seeg ergänzen.

Ist lokales Engagement wichtig ?

Ich meine, dass die Pandemie gezeigt hat: Alle Ebenen von Politik und Gesellschaft müssen zusammenarbeiten, global und lokal, Bürger, Betriebe, lokale und zentrale Ämter, Institutionen. Die Pandemie wird nach wenigen Jahren vorbei sein; beim Klimaschutz wird es Jahrzehnte dauern, ein anstrengender Marathon!

Wr sollten uns im südlichen Ostallgäu nicht wegducken, sondern dafür sorgen, dass unsere Region den Wandel gut bewältigt und die sich bietenden Chancen nutzt. Was ich mir nach 8 Jahren Engagement für Energie & Umwelt von meinen Mitbürgern und von der Kommunalpolitik wünsche: Einfach anfangen was zu tun, z.B.

  • kleine Schritte im persönlichen Bereich, bei Ernährung, Reisen, Energieverbrauch,

  • als Hausbesitzer oder Mieter die Gebäude nach und nach erneuerbar versorgen,

  • viel mehr erneuerbare Energie erzeugen und speichern,

  • unsere schöne Natur schützen, damit sie widerstandsfähiger wird, UND

  • mehr Zusammenhalt und gegenseitige Wertschätzung zeigen.

Danke für Eure Unterstützung in den nächsten Jahren!


gez. Uli Schaaf