Redispatch 2.0 - Stromnetze stabil halten
Mit zunehmendem Anteil von erneuerbarem Strom wird die Stabilisierung der Stromnetze anspruchsvoller. Bisher mussten nur die großen Kraftwerke gesteuert werden. So wurden z.B. bei Überschussstrom häufig die großen Windkraftanlagen im Norden der Republik abgeregelt. Das nannte man Redispatch, zu deutsch etwa Neuauslegung oder Neudisposition.
Mit Redispatch 2.0 sollen jetzt auch kleinere Anlagen zum Ausgleich von Spannungsschwankungen herangezogen werden. Dazu bedarf es einer automatisierten Kommunikation zwischen den Netzbetreibern, damit die Regelung des Stromnetzes abgestimmt erfolgen kann.
Der bdew hat dazu ein Papier veröffentlicht, das die verschiedenen Nachrichten standardisieren soll: Detailprozesse für die Netzbetreiberkoordination im Redispatch 2.0.
Das Thema wird erläutert in Energiewirtschaft Einfach von Karsten Eckard.
Der Redispatch 2.0 wurde im NABEG (Netzausbau Beschleunigungsgesetz) gesetzlich verankert. Er sieht vor, dass auch kleine Stromerzeugungsanlagen in den Redispatch einbezogen werden sollen. Damit wird eine Stromregelung eingeführt, die netzübergreifend stattfindet.
Diese Regelung ist umstritten, weil sie - so die Kritiker - zu einem zentralistischen Energiesystem führt.
Redispatch 2.0 ist keine einfache Kost! Ich fragte deshalb meinen Freund Andreas Kießling, der im C/sells-Projekt (zellulares Energiesystem) mitgearbeitet hat, nach den Hintergründen. Hier seine Antwort:
Redispatch hatte in der Vergangenheit (1.0) nur mit Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) sowie Großkraftwerken zu tun. Wenn auf einer Höchstspannungsleitung ein Leitungsproblem auftrat, berechneten ÜNBs den Stromfluss über die Leitungen neu.
Dann wurden für den optimalen Stromfluss bestimmte Kraftwerke heruntergefahren und andere hochgefahren, so dass sich der Stromfluss im Netz änderte.
Nun fallen die Großkraftwerke schrittweise weg und die ÜNBs benötigen neue Flexibilität, um Leistungsflüsse über ihre Leitungen zu ändern.
Dafür wird Redispatch 2.0 konzipiert.
Nun kommen wir zum Kern des Problems.
ÜNBs versuchen auf Grundlage europäischer Gridcodes immer mehr Anlagen im mittleren bis zum kleinen Bereich direkt zu steuern, analog der Kraftwerkssteuerung.
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Das Problem: ÜNBs steuern damit in die Verteilnetze hinein und möchten gern bis in den Gebäudebereich steuern.
C/sells hat im Rahmen des zellulären Konzeptes andere Vorschläge und Demonstrationen über die sogenannte Abstimmungskaskade gemacht.
ÜNBs sollen nur an den Schnittstellen zu Regionalnetzbetreibern steuern.
Die Regionalnetzbetreiber steuern an den Schnittstellen der örtlichen Verteilnetze.
Verteilnetzbetreiber aggregieren Flexibilität im Rahmen der Anlagen und Gebäude im Netz und senden Steuersignale nur an die Netzanschlusspunkte, wo Energiemanagementsysteme in den Gebäuden selbst die Wahl haben, wie Flexibilität bereitgestellt wird.
Damit haben wir eine zum Redispatch notwendige Steuerungshierarchie trotzdem im zellulären Konzept abgebildet.
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