Energie & Umwelt


Blog E&U


Dieser Blog für Energie & Umwelt wird von Uli Schaaf geführt, in Abstimmung mit dem Arbeitskreis Energie. Das Bürgerforum Seeg unterstützt die Energiewende von unten mit Informationen zur regionalen Energiewende.

Blog-Beiträge sehen Sie unten, der letzte zuerst. In der Spalte links finden Sie Seiten (Dokumente) hierarchisch geordnet. Ggf Randspalte vorher öffen und Unterdokumente aufklappen.

Das Bürgerforum Seeg und der Energiebeirat des Füssener Stadtrats haben am 25. September 2021 eine gemeinsame Exkursion zum Bergbauernhof Besler in Oberstdorf unternommen. Es war eine großartige Veranstaltung!

In der Einladung unten sind die großen Hoffnungen auf einen Pflanzenkohleeinsatz in der Landwirtschaft aufgeführt, was CO2-Speicherung durch Humusaufbau und bessere landwirtschaftliche Erträge ohne Nitrateintrag betrifft.

Die Teilnehmer waren begeistert! Sicher haben das schöne Wetter und die idylische Lage des Besler-Hof dazu beigetragen. Auch die Fahrt im American Schoolbus war cool.

Die Familie Besler hat einen vorbildlichen Betrieb aufgebaut. Hauptprodukt ist Bergkäse, der vollständig in Eigenproduktion hergestellt wird: Ca 50 Kühe werden mit Heu gefüttert und geben ihre Milch direkt in eine eigene Käserei. Sie wird unpasteurisiert sofort verarbeitet und selbst vermarktet. Wir konnten den Käse probieren: Köstlich!

Beslers haben jetzt 6 Jahre Erfahrung mit dem Einsatz von Pflanzenkohle. Tobias Besler erklärte uns ausführlich und anschaulich wie die Bodenfruchtbarkeit weiter verbessert wird: In die Gülle wird Gesteinsmehl und Pflanzenkohle eingerührt, die beim Käsen anfallende Molke wird auch eingebracht; das ist wichtig, weil Milchsäurebakterien die Wirksamkeit der Pflanzenkohle verbessern.

Seit sechs Jahren wird die so aufgebesserte Gülle eingesetzt. Der Humusaufbau und die Bodenfeuchtigkeit sind merklich verbessert worden. Die Fingerprobe zeigt dies: Auch in den Trockenjahren konnte ein Finger in den so verbesserten Boden gesteckt werden; auf anderen Feldern war dies nicht möglich.

Dies ist der Pflanzenkohle geschuldet: Sie speichert durch eine große innere Oberfläche Feuchtigkeit und Nährstoffe langfristig und stellt sie den Pflanzen zur Verfügung. Weitere Informationen zum “schwarzen Gold der Landwirtschaft” finden Sie auf unseren Seiten: Biomasse und Pflanzenkohle.

Andreas Eggensberger von Füssener Energiebeirat und Ulrich Wagner vom Bürgerforum Seeg bedankten sich bei Familie Besler und stellten Zukunftsüberlegungen an:

  • Pflanzenkohle kann regional hergestellt werden; dabei kommen neben Holz-Hackschnitzeln auch Grünschnitt und andere Pflanzenabfälle in Frage. Das spart Entsorgungskosten.

  • Die Ausbringung aufbereiteter Gülle stinkt nicht; das könnte Tourismusbetriebe motivieren sich am Kauf von Pflanzenkohle für die Landwirte zu beteiligen, eine win-win-Konstellation.

  • Der Humusaufbau trägt beträchtlich zur CO2-Reduktion bei. Wenn es gelingt, dies in CO2-Zertifikaten zu dokumentieren, hätten die Landwirte eine weitere Einnahmequelle zur Beschaffung der heute noch knappen Pflanzenkohle.

Beide Organisationen werden sich weiter intensiv mit dem Thema beschäftigen und darüber berichten.

gez. Ulrich Schaaf

Direkte Links zu den bisherigen Newslettern finden Sie hier:
Newsletter 6: Pilotprojekt in Seeg
alle früheren Jahres-Newsletter


eENERGY

Liebe Energie- & Umwelt-Interessierte,

die Bundestagswahl steht vor der Tür. Klimaschutz ist ein Hauptthema für eine neue Regierung, unabhängig davon wer die Wahl gewinnt. Haben Sie auch das Gefühl, dass wir irgendwie vor einer Zeitenwende stehen? Die zwanziger Jahre werden wohl entscheidend sein, wie sich die Welt entwickelt.

Mit diesem 7. Jahres-Newsletter möchte ich den Klimaschutz aus regionaler Sicht und persönliche Beweggründe für mein Engagement erläutern. Meine Mitmenschen - ich auch - stellen sich natürlich die Frage: Ist der große Zeitaufwand für den regionalen Klimaschutz sinnvoll investiert? Ist unser lokaler Einfluss wirklich so wichtig, dass wir etwas Nennenswertes bewirken können?

Klimaschutz regional

Wenn große Umbrüche anstehen gibt es 2 Möglichkeiten, wie wir uns verhalten:

  • Wegducken und Abwarten,

    eine menschliche und häufige Reaktion auf allen Ebenen.

  • Unser Haus in Ordnung halten,

    überschaubare Maßnahmen im Umfeld vornehmen,  den Kopf nicht in den Sand stecken.

Wenn wir nur abwarten, werden wir empfindlich zur Kasse gebeten und andere Regionen werden die Vorteile haben: Kosteneinsparungen, mehr Aufträge für lokale Firmen, eine gesunde Landwirtschaft und eine schöne Natur. Die Vorteile der regionalen Energiewende sind im 5. Jahresnewsletter beschrieben.

Der Umbau von Wirtschaft  und Gesellschaft für eine klimaneutrale Welt ist ein Riesenprojekt. Und es steht unter großem Zeitdruck. Ist es überhaupt sinnvoll, wenn man die vielen großen Aufgaben betrachtet, dass wir uns als Bürger im südlichen Ostallgäu mit Klimaschutz beschäftigen? Oder überlassen wir dies unseren Politikern?

Es ist sicher, dass die 'große Politik' in den nächsten Jahren weitere wichtige Entscheidungen zum Klimaschutz beschließen wird,  wer auch immer die Wahl gewinnt! Sie werden uns hier in der Region betreffen! Wie können wir uns darauf vorbereiten?

  • Unsere Häuser in Ordnung halten,

    damit sie weniger Klimagas produzieren und wir Heizkosten sparen. (Check Dein Haus!).

  • Projekte vorbereiten,

    damit wir nur die Schublade aufmachen müssen und investieren können, wenn genügend mitmachen und die Rahmenbedingungen stimmen. (Rentable Projekte).

  • Unsere schöne Natur schützen,

    damit sie widerstandsfähig bleibt und viel Klimagas aus der Luft aufnehmen kann (Land- und Forstwirtschaft unterstützen).

Unsere Projekte

Engagement für eine regionale Energiewende macht Spaß, ist aber manchmal auch mühsam und zäh! Ich möchte hier berichten über Fortschritte, aber auch über Schwierigkeiten, aus denen man oft lernen kann.

Aufsuchende Energieberatung

Wir im Energiearbeitskreis des Bürgerforums sind sehr erleichtert, dass der Gemeinderat am 29.03.2021 beschlossen hat,  einen Auftrag zur Energieberatung vor Ort zu unterstützen.  Wir hatten seit 8 Jahren dafür gekämpft. Jetzt können sich bis zu 50 Hausbesitzer (Ein- und Zweifamilienhäuser) um eine kostenfreie Beratung durch Energieexperten der eza! bewerben.

Die Beratung hilft jetzt den Hausbesitzern, rentable Investitionen zu planen; dies bewirkt dann Kosteneinsparungen und weniger Treibhausgase.

Danke an alle, die sich dafür eingesetzt haben! Wer sich beraten lassen will, wende sich an die Gemeinde!

Mieterstrom

Im Newsletter 6 wurde über das Pilotprojekt im Privathaus von Ulrich Gut berichtet. Eine kleine innovative Firma (Pionierkraft) hat eine Lösung entwickelt, mit der auch Mieter in Privathäusern mit Eigenstrom von der PV-Anlage versorgt werden können. Das Pilotprojekt wurde mit Unterstützung des EWR (Elektrizitätswerke Reutte) erprobt. Das System läuft stabil. Die Kontrollmessungen des EWR waren positiv (keine wilden Einspeisungen).

Pionierkraft hat mit der Kleinserien-Produktion begonnen.

Bitte fragen Sie uns, wenn sie auch ein Mieterstrom-Projekt planen!

Nahwärmenetze

In Seeg wurden schon frühzeitig zwei Nahwärmenetze realisiert (Beispiel). Seeg hat eine gute Ausgangslage! Der Energiearbeitskreis hat sich intensiv damit befasst, ob man die bestehenden Netze erweitern und weitere Netze planen kann.  Wärmenetze werden beim künftigen Klimaschutz in Europa nämlich eine große Rolle spielen. (Siehe unsere Veröffentlichung: Wärmenetze in der Energiepolitik).

Die Vorplanung für ein neues Nahwärmenetz 'Bei-den-Linden' war schon fertig. Das Projekt wäre doppelt rentabel gewesen, finanziell und umweltmäßig. Als sich der Hauptbenutzer, ein Hotel nicht für das Projekt entscheiden konnte, mussten weitere Überlegungen vorerst abgesagt werden.

Das Konzept ist aber in der Schublade und kann wieder aufgegriffen werden.

Bitte melden Sie sich, wenn Sie eine Idee für eine integrierte Strom- und Wärmeerzeugung haben!

Pflanzenkohle

Gemeinsam mit dem Energie- und Umweltbeirat des Füssener Stadtrats beschäftigen wir uns mit einem neuen und gleichzeitig uralten Thema: Grün- oder Pflanzenkohle ist Holzkohle, die Klimagase reduziert und die Fruchtbarkeit der landwirtschaftlichen Böden steigert. Sie wurde vor hunderten von Jahren in Südamerika verwendet: Terra Preta.

Bild: Biomassehof Allgäu

Heute propagiert man Pflanzenkohle aus folgenden Gründen:

  • Speicherung von CO2:

    Wenn Kohle nicht vollständig verbrannt wird (Pyrolyse), bleibt der Kohlenstoff als Pflanzenkohle zum Düngen erhalten.

  • Speicherung von Nährstoffen und Feuchtigkeit:

    Durch die große innere Oberfläche kann Pflanzenkohle als langfristiger Nährstoff- und Wasserspeicher dienen.

  • Humusaufbau:

    Pflanzenkohle fördert den Humusaufbau. Damit steigert sie die Fruchtbarkeit unserer Böden und entzieht der Luft CO2. Siehe dazu das Video Gesunde Landwirtschaft durch Pflanzenkohle.

  • Tiergesundheit:

    Pflanzenkohle kann dem Futter von Rindern beigemischt werden; verbessert sich Gesundheit und Milchleistung der Rinder.

  • Güllebehandlung:

    Wenn Pflanzenkohle der Gülle in einem besonderen Verfahren beigemischt wird, verliert die Gülle ihren beißenden Geruch und ihre Düngewirkung wird erheblich besser.

Exkursion nach Oberstdorf

Am 25. September fahren wir mit Füssener und Seeger Interessenten zusammen im Bus nach Oberstdorf zum Bergbauernhof Besler. Johannes Besler setzt seit Jahren Pflanzenkohle ein  und kann über seine Erfahrungen berichten. (Siehe Programm). Bitte melden Sie sich verbindlich an bis zum 19. September.

Landwirtschaft & Tourismus

Zusammen mit Füssener Hoteliers, die sich für Klimaschutz engagieren, beteiligen wir uns an einer Initiative "Tourismus + Landwirtschaft = Klimaschutz". Die Idee: Es gibt viele Möglichkeiten, dass Bauern und Hoteliers an einem Strang ziehen, zum Vorteil der Betriebe und der Umwelt, z.B.  über

  • Lieferung regionaler Lebensmittel zu einem fairen Preis

  • Aufkauf von erneuerbarem Strom der Landwirte durch die Hotels

  • Erhalt der Naturschönheiten für Tourismus & Klima

  • Aufkauf von Klimazertifikaten der Landwirte durch Tourismusbetriebe

Das Biohotel Eggensberger wird zu diesem Thema eine Veranstaltungsreihe im Haus Hopfensee organisieren. Wir werden das mit Veranstaltungen in Seeg ergänzen.

Ist lokales Engagement wichtig ?

Ich meine, dass die Pandemie gezeigt hat: Alle Ebenen von Politik und Gesellschaft müssen zusammenarbeiten, global und lokal, Bürger, Betriebe, lokale und zentrale Ämter, Institutionen. Die Pandemie wird nach wenigen Jahren vorbei sein; beim Klimaschutz wird es Jahrzehnte dauern, ein anstrengender Marathon!

Wr sollten uns im südlichen Ostallgäu nicht wegducken, sondern dafür sorgen, dass unsere Region den Wandel gut bewältigt und die sich bietenden Chancen nutzt. Was ich mir nach 8 Jahren Engagement für Energie & Umwelt von meinen Mitbürgern und von der Kommunalpolitik wünsche: Einfach anfangen was zu tun, z.B.

  • kleine Schritte im persönlichen Bereich, bei Ernährung, Reisen, Energieverbrauch,

  • als Hausbesitzer oder Mieter die Gebäude nach und nach erneuerbar versorgen,

  • viel mehr erneuerbare Energie erzeugen und speichern,

  • unsere schöne Natur schützen, damit sie widerstandsfähiger wird, UND

  • mehr Zusammenhalt und gegenseitige Wertschätzung zeigen.

Danke für Eure Unterstützung in den nächsten Jahren!


gez. Uli Schaaf

Der Energiearbeitskreis im Bürgerforum Seeg hatte eine klimafreundliche Wärme- und Strom-Versorgung im Umfeld eines Hotels vorgeschlagen (Link). Die Voraussetzungen für ein gemeinsames Wärmenetz waren gut, sowohl in finanzieller wie auch in Hinsicht auf die Energiewende.

Das Hotel als größter Teilnehmer hat jetzt seine Unterstützung für das Projekt zurückgezogen. Die Entscheider dort ziehen es vor, die Weiterentwicklung ihres Energiesystems selbst zu gestalten. Wir wünschen Ihnen dabei viel Erfolg!

Wie bei den meisten Ideen der Energiewende war auch bei dieser die Chance des Scheiterns größer als die Chance für einen Erfolg. Viele Ideen werden aus diesem Grunde erst gar nicht geprüft. Dieses Risiko war uns im Energiearbeitskreis durchaus bewusst, als wir ehrenamtlich sehr viel Zeit in das Projekt investiert haben. Wenn die Idee dann einen Rückschlag  erleidet, ist man dennoch enttäuscht.

Die Rückwirkungen auf unser weiteres Vorgehen müssen jetzt erörtert werden. Ob damit das ganze Projekt 'gestorben' ist oder ob die positiven Rückmeldungen anderer Wohnungsbesitzer für ein kleineres Netz genützt werden können, muss geklärt werden.

gez. U. Schaaf

Klimaschutz beschäftigt sich mit CO2-Vermeidung durch Umstellung auf erneuerbare Energien, weg von Kohle, Öl und Gas.

Weniger beachtet - aus meiner Perspektive - waren Verfahren, wie man CO2 wieder aus der Luft entfernt, wie man die Resilienz der Natur stärkt, damit sie mehr CO2 aufnehmen kann.

‘Die Wissenschaft’ beschäftigt sich jetzt zunehmend mit diesem Thema, weil wir sicher einen “CO2-Kredit bei der Natur aufnehmen” müssen. Wir machen Schulden, die wir später zurückerstatten müssen. Das geht nur durch CO2-Entnahme. Unten sehen Sie die verschiedenen Methoden die dabei helfen können.
Abbildung aus einem Kurzdossier des MCC: So kommt Treibhausgas raus aus der Atmosphäre.

Die Langfassung zum Wissensstand der CO2-Entnahme finden Sie hier.

Hier auf dem Land im Allgäu beschäftigen wir uns natürlich mit der Land- und Forstwirtschaft und sind auf das Thema Pflanzenkohle gestoßen, eine Wirtschaftsweise die schon seit Jahrhunderten von Menschen zur Bodenverbesserung genutzt wird: Terra Preta.

Wir sammeln jetzt Informationen, wie man hier lokal mit Pflanzenkohle umgehen kann. Es scheint wirklich ein hervorragendes Mittel zu sein, durch Humusaufbau zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: CO2-Vermeidung und aktiven Bodenschutz.

gez. Uli Schaaf

Wie schwierig und aufwändig es ist, ein neues Produkt bis zur Marktreife zu bringen, um dann die Produktion aufzunehmen, sehen wir derzeit bei der Impfstoffherstellung. Neue Produkte werden dringed gebraucht, es dauert jedoch bis diese wirklich 'fertig' sind.

Bei der Mieterstromanlage, die als Prototyp in Seeg installiert wurde (siehe Blog-Nachricht), gab es zu Anfang eine wesentliche Verzögerung.

Geduld ist gefragt, über manche Durststrecke hinweg. Es gibt jedoch gute Nachrichten, dass es weitergeht:

  • Die Mieterstrom-Anlage bei Ulrich Gut im Hause läuft jetzt seit einigen Monaten stabil und liefert Strom an den Mieter.

  • Der Energieversorger EWR, der die Pilotphase unbürokratisch begleitet hatte, berichtet, dass die Kontrollmessungen erfolgreich waren: Die Anlage macht keine ‘wilde Einspeisung’ in’s Netz. Das wären unbemerkte Stromlieferungen, die gesetzlich nicht erlaubt sind.

  • Die Entwicklungsfirma Pionierkraft hat jetzt eine weitere Hürde bewältigt, die CE-Zertifizierung. Sie erwartet ein markfähiges Produkt im 3. Quartal 2021.

Natürlich wollen potenzielle Kunden wissen, was das System kosten wird. Dazu liefert Pionierkraft einen Richtwert von € 2.000 für die Anlage und deren Installation.

Dieser Wert wird etwas höher sein, wenn ein Nachbarhaus mit Mieterstrom versorgt wird. Daür ist dann eine eigene Stromleitung zum Nachbarn erforderlich, wie in dieser Abbildung dargestellt:

Gegenüber anderen technischen Mieterstrom-Lösungen hat Pionierkraft den Vorteil, dass die Netzanschlüsse der Beteiligten nicht geändert werden müssen und bisherige Stromlieferungsverträge nicht berührt sind.

Der Gemeinderat Seeg hat am 29. März 2021 beschlossen, das Angebot des Landratsamts Ostallgäu zur Energieberatung für Hausbesitzer (Check Dein Haus) anzunehmen. Bis zu 50 Hausbesitzer bekommen eine individuelle Beratung von Energiefachleuten vor Ort in ihrem Gebäude.

Das Bürgerforum Seeg begrüßt diesen Schritt sehr. Ist doch der Klimaschutz in Gebäuden ein Sorgenkind der Energiewende. So sah es im Jahr 2011 also vor 10 Jahren aus:

27% der gesamten CO2-Emissionen in Seeg werden vom Gebäudesektor erzeugt.

Und dies ändert sich nur sehr langsam.

Oft vermuten Hausbesitzer, dass Energieeinsparung nur mit sehr hohen Ausgaben für die Gebäudedämmung verbunden ist. Bei der Beratung werden aber vor allem die kostengünstigen Maßnahmen empfohlen: Wenig Geld, viel Energie-einsparung.

Der verantwortliche Klimaschutzbeauftragte des Landratsamts, Johannes Fischer hat berichtet, dass die Kommunen dieses Programm sehr positiv beurteilen.

Auch die beratenen Hausbesitzer haben sich bei Nachfragen dann positiv geäußert:

  • 25% wollten eine vertiefende Beratung haben,

  • 40% haben angegeben, dass sie ihr Verhalten geändert haben,

  • über 75% der Befragten geben an, dass sie konkrete Verbesserungen gemacht haben oder diese planen, insb. bei Fenster, Türen und bei der Heizung, außerdem Keller- und Dachdämmungen, sowie PV-Anlagen.

Für weitere Fragen steht Ihnen Herr Johannes Fischer im Landratsamt (08342 911-196) zur Verfügung. Aber auch die Gemeinde, Herr Bürgermeister Berktold (08364 98300) und das Bürgerforum, Herr Uli Schaaf (08364 9862078) stehen für Rückfragen zur Verfügung.

gez. U. Schaaf

Liebe Freunde & Freundinnen der Regionalenergie,

kein Zweifel, das abgelaufene Jahr war ein Besonderes! Die Pandemie hat uns klargemacht, dass die Welt und wir mittendrin verletzlich sind. Nie hätte ich erwartet, dass die Politik so positiv auf die Krise reagiert! Der Klimaschutz wurde nicht nach hinten geschoben: Nein, die Konjunkturprogramme der Bundesregierung und der EU-Kommission sehen Investitionen in den Klimaschutz als Konjunktur-Lokomotive vor.

Und es gibt Gutes zu berichten von Gesetzesänderungen, die den Energiebereich betreffen:

Im gerade gerade verabschiedeten Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG 2021 gab es u.a. die folgenden wesentlichen Änderungen:

  • Die PV-Altanlagen, die nach 20 Jahren aus der Förderung fallen, haben jetzt eine verlässliche Perspektive; sie können weiter einspeisen und müssen keine teure Messtechnik installieren.

  • Alle PV-Anlagen bis 30 kWp können den erzeugten Eigenstrom nutzen und müssen keine EEG-Abgabe bezahlen.

  • Die Bedingungen für Mieterstrom wurden verbessert: Die Förderung wird erhöht und die Bürokratie reduziert. Mieterstrom kann auch im Quartier geliefert werden, nicht nur in unmittelbarer Umgebung.

  • Andere Verbesserungen betreffen uns hier in Seeg (noch) nicht: Power-to-gas-Anlagen müssen keine EEG-Abgabe bezahlen, alte Windräder können weiter betrieben werden.

Andere Energiegesetze wurden ebenfalls positiv novelliert:

Diese Änderungen betreffen uns direkt hier in Seeg, bei der Planung und Weiterentwicklung von Nahwäremenetzen. (Übrigens ist auch die Änderung eines Gesetzes für Nahwärme geplant.)

Lange Zeit hat es danach ausgesehen, dass ein miserabler Regierungsentwurf für das EEG die Energiewende weiter verzögert. Dieser wurde von einigen Bundestagsabgeordneten in zähen Verhandlungen noch wesentlich geändert. Natürlich hätten sich viele mehr gewünscht, wir auch. Aber mit dem was jetzt verabschiedet wurde, kann man eine Weile leben.

Wir im Bürgerforum Seeg haben dazu einen kleinen Beitrag geleistet. Bei der Veranstaltung im Jan 2019: Regionalenergie, waren auch Bundestagsabgeordnete beteiligt: Karl-Heinz Brunner, Georg Nüßlein und Stephan Stracke. Diesen und weiteren "Energie-MdB's" haben wir immer wieder geschrieben und Ihnen zu einer mutigen EEG-Novelle geraten. Die weitergeleitete Nachricht, mit der wir uns bedanken und auf weitere Änderungswünsche verweisen, finden Sie unten.

Aus unserer Sicht brauchen wir jetzt einen Paradigmen-Wechsel, eine neue Sicht auf unser Energiesystem! Es muss von unten her gesteuert werden und nicht mehr nur von wenigen zentralen Institutionen: Ein zellularer Ansatz ist notwendig: In Zellen unten, in Gebäuden, in Quartieren, Gemeinden und in den örtlichen Verteilnetzen muss bereits der Ausgleich von wechselndem Stromangebot mit der Stromnachfrage gesucht werden. Wenn das auf der unteren Ebene nicht mehr geht, müssen Nachbarzellen oder die großräumigen Übertragungsnetze "angezapft" werden.

Es gibt viele Gründe, warum dieser dezentrale Ansatz besser ist. Ich nenne hier nur die lokale Akzeptanz von vielen neuen EE-Anlagen und die Kraft-Wärme-Kopplung, die vor allem lokal stattfindet, wenn Strom, Wärme und Verkehr zusammenspielen.

Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen viel Mut und Zuversicht, dass wir gestärkt aus der Pandemie hervorgehen und uns den nächsten großen Aufgaben, vor allem dem Klimawandel widmen können.

Mit freundlichem Gruß
und den besten Wünschen für's neue Jahr
Uli Schaaf

-------- Weitergeleitete Nachricht: Schreiben an Mitglieder des Deutschen Bundestags --------

Betreff:

EEG 2021

Datum:

Sat, 2 Jan 2021 19:30:42 +0100

Von:

Ulrich Schaaf <energieseeg@gmail.com>

Die Mail ging an die MdB’s:
Anja Weisgerber, Andreas Lenz, Andreas Jung, Ingrid Nestle, Oliver Krischer, Florian Pronold, Timon Gremmels, Bernd Westphal, Stephan Stracke, Stephan Thomae, Karl-Heinz Brunner, Georg Nüßlein, Joachim Pfeiffer, Klaus Midrup

Geschätzte Mitglieder des Bundestags,

jetzt ist die Novelle des EEG verabschiedet. Ich möchte mich bei Ihnen im Namen meiner Kollegen im Bürgerforum Seeg bedanken! Wir wissen, dass es ein hartes Stück Arbeit war, den - milde ausgedrückt - 'unzureichenden' Entwurf des BMWi noch abzuändern. Der Bundestag hat die schlimmsten Entwicklungen verhindert; das EEG 2021 ist jetzt eine Grundlage, auf der man weiterarbeiten kann. Besonders wichtig für unsere Projektplanung hier "Nahwärmenetz mit BHKW":

  • Die neuen Förderungsmöglichkeiten nach dem KWKG,

  • die Umlagebefreiung für PV-Anlagen bis 30 kWp,

  • die Möglichkeit Mieterstrom auch im Quartier zu verteilen

  • und die Sicherheit, dass ausgeförderte PV-Anlagen weiter am Netz bleiben können.

Bei aller Kritik, die Sie als Politiker oft aushalten müssen, ist dieses Lob aus meiner Sicht angebracht!

Der Klimawandel macht aber keine Pause.

Wir würden deshalb gern weitere Gesetzesänderungen sehen, damit die lokale Akzeptanz für viel mehr EE-Strom verbessert wird. Aus unserer Sicht ist dazu ein grundsätzlicher Paradigmenwechsel hin zu einem dezentralen Energiesystem nach dem zellularen Ansatz erforderlich. Dass es starke Kräfte gibt, die diese Entwicklung verhindern wollen, ist uns bewusst.

Deshalb brauchen wir Sie im Deutschen Bundestag, dass diese grundlegende Änderung stattfinden kann!

Mit freundlichem Gruß
Uli Schaaf

Bürgerforum Seeg


Energie-Highlights 2018

Dörfliches Energiekonzept für Seeg vorgestellt

Der Energiearbeitskreis des Bürgerforums Seeg hat zusammen mit Energiefachleuten den Entwurf für ein Energiekonzept am 15.11.2018 in Seeg vorgestellt.

Es ist mit einfachen Grafiken HEUTE - MORGEN - ÜBERMORGEN dargestellt.

Abbildung Energiesystem MORGEN

Kernaussagen:

  • Seeg hat HEUTE gute Voraussetzungen:
    > Hoher Anteil an PV-Strom
    > Holz als nachwachsender Rohstoff hat bereits einen hohen Anteil
    > Zwei Nahwäremenetze liefern Wärme aus erneuerbarer Energie
  • Wenn MORGEN das Gasnetz nach Seeg kommt gibt es Chancen:
    > Ölheizungen durch saubere Gasheizungen ersetzen.
    > Eigenen Strom in kleinen Gaskraftwerken (BHKW) produzieren.
    > Wärme, die dabei entsteht in den Nahwärmenetzen verwenden.
    > Vielfältige Möglichkeiten zur Eigenstromnutzung aus PV-Anlagen.
  • Heute schon an ÜBERMORGEN denken für viel erneuerbare Energie:
    > Zubau weitere PV-Anlagen.
    > Batteriespeicher für einen kurzfristigen Ausgleich zwischen Stromangebot und -nachfrage.
    Grünes Gas verwenden:
    > aus Biogasanlagen
    > Sonnengas (PowerToGas) erzeugen zur langfristigen Speicherung für Strom & Wärme

Zum Nachlesen können Sie das Konzept hier downloaden.

Mehr . . .

Gasnetz gräbt sich nach Seeg

Am 19.11.2018 stellte die Ergas Allgäu Ost (EAO) den Stand der Arbeiten am Gasnetz vor. Es wird von Pfronten über Eisenberg nach Seeg verlegt und soll Ende 2019 an der Gabelung Senkeleweg in Seeg ankommen. Der weitere Verlauf ist entworfen, kann sich jedoch noch ändern im Zuge der Feinplanung..

 


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Was bedeutet das für das Vorankommen der lokalen Energiewende? Der Gasversorger hat bei der Einführung mit (Bio-)Erdgas für Seeg geworben. Gas ist aber auf mittelfristige Sicht weiter ein fossiler Brennstoff, zwar etwas besser als Öl von den Klimagas-Eigenschaften her, aber noch lange nicht "grün". Die Projekte, die das Gas "grün" machen, sind deshalb von besonderem Interesse (siehe das Power-ro-Gas-Projekt der Stadtwerke Augsburg unten).

Eine Erörterung zum Thema Gasnetz finden Sie hier . . .

Power-to-Gas-Projekt in Augsburg

Augsburg: Weltweit erste dezentrale Power-to-Gas-Anlage geht in Betrieb

 

 Installation der Tankanlage in Augsburg im September 2018

Die Stadtwerke Augsburg gehen zusammen mit der Wohnbaugruppe Augsburg (WBG) einen neuen Weg bei der Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien.

Photovoltaik- und Windkraftanlagen erzeugen umweltfreundlichen Strom – doch nur dann, wenn die Sonne scheint oder der Wind bläst. So kann es sein, dass bei guten Wetterbedingungen mehr Strom produziert wird, als gerade benötigt. Andersherum: Wenn Flaute herrscht, gibt es auch keine Energie. Fehlmengen müssen zugekauft, Überschüsse an andere Verbraucher abgegeben werden. Zwar lassen sich diese Schwankungen mit Batterien ausgleichen, doch das ist sehr aufwendig. Eine clevere Technologie schafft hier einen neuen Weg der Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien: Power to Gas. Mehr . . .
 

Klimawandel 2018

Weltweit gesehen war das Jahr 2016 das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Hier sind die Zahlen der NASA, die monatlich fortgeschrieben werden.

Deutschland erlebte 2018 den wärmsten Sommer, der je beobachtet wurde. (Link) So schreibt M. Hofmann auf der Seite Wetterprognose und Wettervorhersage: "Für viele ist es keine Überraschung mehr: Das Wetter im Sommer 2018 war außergewöhnlich heiß und trocken. Die Dürre sorgte für Schäden in Milliardenhöhe. Ein Sommer der Superlative."

Jetzt glaubt's wohl jeder, dass der Klimawandel keine Einbildung ist.


gez. U. Schaaf




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